Vorabquoten Medizin heißt schlicht: Bevor irgendein Grenzwert greift, gehen bis zu 20 Prozent der Studienplätze an festgelegte Bewerbergruppen, Härtefälle, ausländische Bewerbende, Zweitstudienbewerbende und Menschen, die sich zum Landarztberuf oder zum öffentlichen Gesundheitsdienst verpflichten. Das schreibt die Stiftung für Hochschulzulassung auf hochschulstart.de selbst so. Erst die Plätze, die danach übrig sind, werden in den drei Hauptquoten verteilt. Wer in eine Vorabquote passt, konkurriert also in einem sehr viel kleineren Feld, und braucht dort oft nicht die 1,0.
Was ist eine Vorabquote genau?
Eine Vorabquote ist ein fest umrissener Anteil der Studienplätze, der vor den drei Hauptquoten an eine bestimmte Bewerbergruppe geht. Sie wird also oben vom Kuchen abgeschnitten. Der NC, der Numerus clausus, also der Wert der zuletzt zugelassenen Person, entsteht erst danach, in dem Rest, um den alle anderen konkurrieren.
Die drei Hauptquoten teilen diesen Rest auf: 30 Prozent laufen über die Abiturbestenquote (ABQ, reine Abiturpunkte), 10 Prozent über die Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ, ganz ohne Schulnote) und 60 Prozent über das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH, Note plus Test plus Zusatzkriterien). Wie diese drei Töpfe zusammenspielen, zeigt unser Beitrag zu den Quoten im Rechner; die Grundlogik der Verteilung steht in der Einführung in die Studienplatzvergabe.
Wichtig für die Einordnung: An allen drei Hauptquoten nimmst du automatisch teil, sobald du dich bewirbst. Eine solche Quote ist der Gegenentwurf dazu. Du musst sie ausdrücklich beantragen, und du musst belegen, dass du zur Gruppe gehörst.
Welche Gruppen bekommen einen Platz aus einer Vorabquote?
Fünf Gruppen sind im Zentralen Verfahren gesetzt. hochschulstart nennt Härtefälle, ausländische Bewerbende, Zweitstudienbewerbende sowie Bewerbende, die sich verpflichtet haben, ihren Beruf in Bereichen des besonderen öffentlichen Bedarfs auszuüben, etwa als Landärztin oder Landarzt. Dazu kommen Sanitätsoffizieranwärter und Fälle mit besonderer Hochschulzugangsberechtigung.
| Vorabquote | Anteil der Plätze | Für wen sie gedacht ist | Eigener Antrag? |
|---|---|---|---|
| Ausländische Bewerbende und Staatenlose | 5 % | Bewerbende ohne deutsche oder gleichgestellte Hochschulzugangsberechtigung | ja |
| Zweitstudienbewerbende | 3 % | Wer bereits ein Studium in Deutschland abgeschlossen hat | ja, mit Begründung |
| Härtefälle | 2 % | Wer aus zwingenden sozialen oder familiären Gründen sofort anfangen muss | ja, mit Nachweisen |
| Sanitätsoffizieranwärter der Bundeswehr | 1,8 % | Wer von der Bundeswehr für die Laufbahn angenommen wurde | ja, über die Bundeswehr |
| Besondere Hochschulzugangsberechtigung | 0,2 % | Sonderfälle beim Zugangszeugnis | ja |
Zwei Dinge fallen an dieser Rechnung auf. Erstens summieren sich die fünf genannten Quoten auf zwölf Prozent, während hochschulstart von "bis zu 20 Prozent" spricht. Der Abstand entsteht durch die Länderquoten, Landarzt, Landkinderarzt, Landzahnarzt, Landtierarzt, Landapotheker und den öffentlichen Gesundheitsdienst, und durch bevorzugte Zulassungen nach einem Dienst. Zweitens sind das Anteile pro Studiengang und Studienort, keine bundesweite Gesamtsumme.
Warum wird die Härtefallquote als Letzte bedient?
Weil sie zeitlich anders behandelt wird als die übrigen vier Gruppen. hochschulstart schreibt es klar: Rechtlich sei die Härtefallquote eine Vorabquote, die Plätze würden aber erst nach der Freigabe der Ranglisten für die drei Hauptquoten vergeben. Der Terminplan bestätigt das genau.
Zum Wintersemester 2026/27 gingen die ersten Zulassungsangebote für Abiturbestenquote, Landarzt- und ÖGD-Quoten, Zweitstudium und Dienstzeiten am 24. Juli heraus. ZEQ und AdH folgten am 31. Juli. Die ersten Angebote für Härtefälle kamen am 14. August, gut drei Wochen später. Für dich heißt das: Ein Härtefallantrag ist kein Frühstart, sondern eine Sicherung ganz am Ende des Verfahrens.
Wann werden die Vorabquoten im Verfahren 2026/27 vergeben?
Der Zeitplan ist eng, und in dieser Woche läuft die entscheidende Phase. Am 21. August 2026 stehen die Portalsperre und das Ende der Koordinierungsphase unmittelbar an. Danach entscheidet sich, wer nachrückt und wer nicht. Die folgende Tabelle fasst die amtlichen Termine für die vier bundesweit beschränkten Fächer zusammen.
| Datum | Was im Zentralen Verfahren passiert |
|---|---|
| 24.07.2026 | Erste Angebote: ABQ, Landarzt- und ÖGD-Quoten, Zweitstudium, bevorzugte Auswahl nach einem Dienst |
| 31.07.2026 | Erste Angebote: ZEQ und AdH |
| 14.08.2026 | Erste Angebote: Härtefälle |
| 22. bis 24.08.2026 | Portalsperre (ab 00:00 Uhr bis 24:00 Uhr) |
| 24.08.2026 | Ende der Koordinierungsphase |
| 25.08.2026 | Restliche Zulassungs- und Rückstellungsbescheide, Start des Koordinierten Nachrückens, Beginn der Anmeldephase |
| 26.08.2026 | Ablehnungs- und Ausschlussbescheide |
| 27.08.2026 | Ende der Anmeldephase für das Koordinierte Nachrücken |
| 31.08. bis 01.10.2026 | Bescheide aus dem Nachrücken, montags und donnerstags bis 24.09., letztmalig am 01.10. |
| 30.09.2026 | Ende des Koordinierten Nachrückens |
Wenn du eine Ablehnung bekommst, ist das nicht das Ende. Melde dich in der Anmeldephase aktiv für das Koordinierte Nachrücken an, automatisch läuft das nicht. Wie du deinen Bescheid und deinen Rangplatz liest, erklärt unser Beitrag zu Bescheiden und Ranglisten, und was in der Koordinierungsphase technisch abläuft, steht dort im Detail.
Wie viele Menschen bewerben sich über eine Vorabquote?
Amtliche Zahlen gibt es nur für einen Teil der Gruppen, und sie sind ernüchternd klein. Die Stiftung für Hochschulzulassung weist für das Wintersemester 2025/26 im Zentralen Verfahren 37.836 Bewerbende und 17.298 Zulassungen inklusive Rückstellungen aus. Darunter waren 1.297 Zweitstudienbewerbende und 709 beruflich Qualifizierte.
Rechne das kurz durch: 1.297 von 37.836 sind rund 3,4 Prozent aller Bewerbenden, und die Zweitstudienquote umfasst 3 Prozent der Plätze. Das Verhältnis passt also ungefähr, der Topf ist kein Geheimtipp mit leeren Plätzen, sondern ein eigener, ebenfalls umkämpfter Topf. Die Zweitstudien-Messzahl entscheidet dort, nicht die Abiturnote; Details stehen in unserem Beitrag zur Zweitstudienquote.
Ein zweiter Blick lohnt sich auf die Entwicklung. Zum Wintersemester 2020/21 bewarben sich noch 52.059 Personen im Zentralen Verfahren, bei 16.010 Zulassungen. Fünf Jahre später sind es 37.836 Bewerbende bei 17.298 Zulassungen, rund 27 Prozent weniger Konkurrenz bei acht Prozent mehr Zulassungen. Insgesamt gingen 976.998 Bewerbungen ein, also durchschnittlich etwa 26 Ortswünsche pro Person. Wie viel die Reihenfolge dieser Wünsche ausmacht, zeigt unser Text zur Ortspräferenz-Strategie.

Welche Bundesländer bieten Landarzt- und ÖGD-Quoten an?
Die Länderquoten sind der beweglichste Teil der Vorabquoten, weil jedes Bundesland selbst entscheidet. hochschulstart listet für das laufende Verfahren Info-Seiten von elf Ländern zur Landarztquote und von fünf Ländern zur ÖGD-Quote. Dazu kommen vier Quoten für andere Fächer, die viele Bewerbende gar nicht auf dem Schirm haben.
| Quote | Fach | Bundesländer mit Info-Seite |
|---|---|---|
| Landarztquote | Humanmedizin | Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen |
| ÖGD-Quote (Amtsarztquote) | Humanmedizin | Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt |
| Landkinderarztquote | Humanmedizin | Rheinland-Pfalz |
| Landzahnarztquote | Zahnmedizin | Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen |
| Landtierarztquote | Tiermedizin | Bayern |
| Landapothekerquote | Pharmazie | Mecklenburg-Vorpommern |
Der Preis ist immer derselbe: eine Verpflichtung, nach dem Studium mehrere Jahre in einer unterversorgten Region zu arbeiten. Dafür zählt die Abiturnote deutlich weniger. Was das konkret bedeutet, steht in unserem Beitrag zur Landarztquote, und wer über die Bundeswehr nachdenkt, findet die Bedingungen im Text zum Studium als Sanitätsoffizier. Für Zahnmedizin und Tiermedizin gelten eigene Landesquoten.
Was bedeuten die Vorabquoten für deine Bewerbung?
Für die meisten Bewerbenden: erst einmal nichts. Wenn du keiner der Gruppen angehörst, ändert dieser Vorab-Abzug deine Chance nur indirekt, weil sie den Topf für die Hauptquoten kleiner macht. Genau darum wirkt ein Grenzwert manchmal härter, als die Platzzahl vermuten lässt.
Für alle anderen ist es die vielleicht wichtigste Entscheidung im Verfahren. Ein Härtefallantrag, eine Landarztverpflichtung oder eine Zweitstudienbewerbung verändert dein Bezugsfeld komplett, du konkurrierst nicht mehr mit 37.836 Menschen, sondern mit einigen Hundert. Wie ein Grenzwert überhaupt entsteht, erklärt unser Beitrag zur Numerus-clausus-Berechnung; die Begriffsdefinition steht kurz und knapp im Lexikoneintrag.
Und wenn keine Vorabquote passt? Dann bleiben die klassischen Hebel: ein Studieneignungstest, eine abgeschlossene Berufsausbildung für die ZEQ, geschickte Ortswünsche, das Aufrücken im Vergabeverfahren und am Ende die Losverfahren der Hochschulen.
So beantragst du eine Vorabquote: Schritt für Schritt
- Prüfe früh, ob du überhaupt in eine Gruppe fällst, am besten Monate vor dem Bewerbungsschluss, nicht in der letzten Woche.
- Lies die Vergabeverordnung deines Bundeslandes. Die Ausschlussfristen und Nachweispflichten stehen dort, nicht in Foren.
- Sammle die Nachweise: fachärztliche Gutachten beim Härtefall, Abschlusszeugnis und Begründung beim Zweitstudium, Zusage der Bundeswehr, Vertrag zur Landarztquote.
- Stelle den Antrag im Bewerbungsportal und in AntOn, Vorabquoten werden dort ausdrücklich angekreuzt und begründet.
- Schicke die Unterlagen so früh wie möglich per Post. hochschulstart weist ausdrücklich auf verlängerte Postlaufzeiten von drei bis vier Werktagen hin.
- Kontrolliere nach dem Versand deinen Bewerbungsstatus. Fehlt ein Nachweis, wird der Antrag nicht berücksichtigt, die Frist lässt sich nicht verlängern.
Und noch ein Hinweis für Wiederholende: Wenn du dich mit einem älteren Zeugnis bewirbst, gelten für dich frühere Fristen. Was Alt-Abiturient:innen beachten müssen, steht in unserem Fristen-Leitfaden.
Was kann eine Vorabquote nicht leisten?
Sie ist keine Abkürzung um die Eignung herum. Auch dort gibt es Ranglisten, und die Plätze sind schnell weg. Ein Härtefallantrag ohne belastbare Nachweise wird abgelehnt, eine Zweitstudienbewerbung ohne überzeugende Begründung landet hinten in der Messzahl-Rangliste.
Sie ersetzt auch keine Strategie. Der wichtigste Satz aus diesem Artikel: Eine Vorabquote ist ein Zusatzweg, kein Ersatzweg. Bewirb dich parallel ganz normal über die drei Hauptquoten, plane Ortswünsche sauber und halte dir die Optionen nach der Ablehnung offen, vom Nachrücken bis zur Studienplatzklage. Einen Überblick über alle Wege gibt unsere Einführung in die Medizin-Zulassung.
Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, der Bewerberinnen und Bewerber seit Jahren durch das deutsche Zulassungsverfahren für Medizin und Zahnmedizin begleitet.
Quellen
- Stiftung für Hochschulzulassung: "Verfahrensdetails: Quotenmodell des ZV" (Vorabquoten, bis zu 20 Prozent, Härtefallregelung, Hauptquoten 30/10/60; abgerufen am 21. August 2026): hochschulstart.de: Quotenmodell des ZV
- Stiftung für Hochschulzulassung: "Termine und Fristen, Wintersemester 2026/27" (Termine des Zentralen Verfahrens, 24.07., 31.07., 14.08., 22. bis 24.08., 25. bis 27.08., 30.09.2026; abgerufen am 21. August 2026): hochschulstart.de: Termine und Fristen
- Stiftung für Hochschulzulassung: "Landarztquote, Landkinderarztquote, Landzahnarztquote, Landtierarztquote, Landapothekerquote, ÖGD-Quote" (Übersicht der Bundesländer mit Info-Seiten; abgerufen am 21. August 2026): hochschulstart.de: Landarzt und ÖGD
- Stiftung für Hochschulzulassung: "Kennzahlen im DoSV: Wintersemester" (Bewerbende, Zulassungen, Zweitstudienbewerbende und beruflich Qualifizierte im Zentralen Verfahren, Datenstand Ende Koordiniertes Nachrücken, Aktualisierung 10/2025; abgerufen am 21. August 2026): hochschulstart.de: Kennzahlen WiSe 2025/26 (PDF)
- Medizinische Fakultät der Universität Münster: "Vorabquoten" (Anteile 5 %, 3 %, 2 %, 1,8 %, 0,2 %; abgerufen am 21. August 2026): medicampus.uni-muenster.de: Vorabquoten
- Stiftung für Hochschulzulassung: "Rechtsgrundlagen" (Vergabeverordnungen der Länder als Grundlage der Quoten und Ausschlussfristen; abgerufen am 21. August 2026): hochschulstart.de: Rechtsgrundlagen
FAQ
Häufige Fragen
Ja. An den drei Hauptquoten nimmst du mit deiner Bewerbung automatisch teil, bei einer solchen Quote nicht. Du kreuzt sie im Antrag ausdrücklich an, begründest sie und reichst die passenden Nachweise ein. Ohne vollständige Unterlagen bis zur Ausschlussfrist bleibt der Antrag unberücksichtigt.
Die Medizinische Fakultät der Universität Münster beziffert die Härtefallquote mit zwei Prozent der Studienplätze. Rechtlich ist sie eine Vorabquote, zeitlich wird sie aber zuletzt bedient: Zum Wintersemester 2026/27 kamen die ersten Härtefall-Angebote erst am 14. August 2026 heraus.
Sie verändert vor allem dein Bezugsfeld. Statt gegen 37.836 Bewerbende im Zentralen Verfahren anzutreten, konkurrierst du in einer kleinen Gruppe mit eigenen Kriterien. Eine Garantie ist das nicht: Auch dort gibt es Ranglisten, und die wenigen Plätze sind schnell vergeben.
Ja. hochschulstart führt Verpflichtungen für Bereiche des besonderen öffentlichen Bedarfs ausdrücklich unter den Vorabquoten. Elf Bundesländer bieten dazu eigene Info-Seiten an, fünf zusätzlich zur ÖGD-Quote. Bewerbung und Auswahl laufen je nach Land teilweise außerhalb von hochschulstart.
Dann bleiben die Hauptquoten und die Phase nach der Ablehnung. Melde dich zwischen dem 25. und 27. August 2026 aktiv für das Koordinierte Nachrücken an, das bis zum 30. September läuft. Danach folgen die Losverfahren der Hochschulen, parallel lohnt die Vorbereitung auf einen Eignungstest.




