"Modellstudiengang" klingt nach einer eigenen Zulassungswelt, mit eigenem NC, eigenen Regeln, vielleicht sogar ohne Numerus Clausus. Tatsächlich ist die Antwort nüchterner und für deine Planung wichtiger: Der Modellstudiengang verändert vor allem, wie du Medizin studierst, kaum aber, wie du einen Platz bekommst. Dieser Beitrag zeigt, was hinter dem Begriff steckt, welche Universitäten ihn anbieten und was das konkret für deinen Numerus Clausus und deine Bewerbung bedeutet.
Key Takeaways
- Ein Modellstudiengang ist eine Ausnahmegenehmigung nach §41 der Approbationsordnung für Ärzte, er ändert den Studienaufbau, nicht das zentrale Zulassungsverfahren.
- Die Bewerbung läuft für Modell- und Regelstudiengänge an öffentlichen Universitäten identisch über hochschulstart, mit denselben drei Quoten: Abiturbestenquote (30 %), Auswahlverfahren der Hochschulen (60 %) und Zusätzliche Eignungsquote (10 %).
- Aktuell bieten zwölf öffentliche Universitäten einen Modellstudiengang Humanmedizin an, mehrere davon haben ihren Regelstudiengang komplett ersetzt (z. B. Aachen, Hannover, Heidelberg).
- Weil jeder Studienort seinen eigenen Grenzwert bildet, hat ein reiner Modellstudiengang-Standort automatisch einen eigenen NC, einen "Modellstudiengang-NC" im bundesweiten Sinne gibt es trotzdem nicht.
- Privat angebotene Modellstudiengänge (z. B. Witten/Herdecke) laufen außerhalb von hochschulstart, meist NC-frei, aber mit eigenem Auswahlverfahren und Studiengebühren.
- Für wen? Für alle, die einen Modellstudiengang-Standort in ihre Ortspräferenzen aufnehmen wollen und wissen möchten, ob sich dadurch ihre Zulassungschance ändert.
Von MUDr. Andreas Zehetner, Redaktion ncrechner.de. Dieser Beitrag erklärt den allgemeinen Ablauf und ersetzt keine verbindliche Auskunft der jeweiligen Universität oder von hochschulstart.

Was ist ein Modellstudiengang überhaupt?
Der Modellstudiengang ist keine neue Fachrichtung, sondern eine besondere Studienvariante von Humanmedizin. Rechtlich beruht er auf einer zeitlich befristeten Sondergenehmigung, die von der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO) abweicht, konkret von deren §41. Universitäten nutzen diesen Spielraum, um die klassische Trennung von Vorklinik und Klinik aufzulösen und Theorie und Praxis von Anfang an zu verzahnen.
Im Regelstudiengang lernst du die ersten vier Semester (Vorklinik) vor allem naturwissenschaftliche Grundlagen wie Anatomie, Physiologie und Biochemie, bevor das Physikum den Übergang in die Klinik markiert. Im Modellstudiengang verschwindet diese scharfe Grenze meist: Der Unterricht läuft in organsystembezogenen Themenblöcken, Patientenkontakt beginnt oft schon im ersten Semester, und statt eines einzelnen Physikums gibt es mehrere kleinere Prüfungen über das Studium verteilt. An der RWTH Aachen etwa ersetzt eine "Ärztliche Basisprüfung" nach dem sechsten Fachsemester das klassische Physikum nach dem vierten. Am Ende steht bei beiden Studienformen aber dasselbe Ziel: das Staatsexamen und die Approbation als Arzt oder Ärztin.
Läuft die Bewerbung für den Modellstudiengang anders?
Nein, zumindest nicht an öffentlichen Universitäten. Die Zulassung zum Medizinstudium ist bundesweit einheitlich geregelt, unabhängig davon, ob eine Hochschule einen Regel- oder Modellstudiengang anbietet. Bewerbungen laufen über das Dialogorientierte Serviceverfahren (DoSV) der Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart), verteilt auf drei Quoten:
| Quote | Anteil der Plätze | Rangkriterium |
|---|---|---|
| Abiturbestenquote (ABQ) | 30 % | Landesbezogene Abiturnote |
| Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH) | 60 % | Formel aus Note, Testergebnis (z. B. TMS) & weiteren Kriterien der Hochschule |
| Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) | 10 % | Kriterien ohne Abiturnote, z. B. Berufsausbildung, Testergebnis |
Ob eine Universität ihren Studiengang "Modell" oder "Regel" nennt, ändert an dieser Aufteilung nichts. Was sich unterscheiden kann, ist die konkrete AdH-Gewichtung der einzelnen Hochschule, aber das gilt für Regel- und Modellstudiengänge gleichermaßen, denn jede Universität legt ihre AdH-Kriterien unabhängig vom Curriculum selbst fest. Details zu den einzelnen Quoten erklären unsere Beiträge zur Abiturbestenquote, zum Auswahlverfahren der Hochschulen und zur Zusätzlichen Eignungsquote.
Welche Universitäten bieten einen Modellstudiengang Humanmedizin an?
Nach einer Übersicht von praktischArzt (Stand Oktober 2025) bieten aktuell zwölf öffentliche Universitäten in Deutschland einen Modellstudiengang Humanmedizin an:
- Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
- Charité Universitätsmedizin Berlin
- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
- Ludwig-Maximilians-Universität München (MeCuM)
- Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane
- Medizinische Hochschule Hannover (HannibaL)
- RWTH Aachen
- Ruhr-Universität Bochum
- Universitätsmedizin Mannheim (MaReCuM)
- Universität Hamburg (iMED)
- Universität Heidelberg (HeiCuMed)
- Universität zu Köln
Hinzu kommt der neuere Modellstudiengang MEDiC am Medizincampus Chemnitz, den die TU Dresden seit dem Wintersemester 2021/22 gemeinsam mit dem Klinikum Chemnitz betreibt, als eigener Studienort neben dem regulären Dresdner Studiengang. Historisch war die Charité 1999/2000 die erste Universität mit einem Modellstudiengang; mehrere andere Standorte folgten in den 2000er-Jahren.
Daneben gibt es private Hochschulen mit eigenem Modellstudiengang: die Universität Witten/Herdecke, die Paracelsus Medizinische Universität (Standort Nürnberg), die Kassel School of Medicine und die Asklepios Medical School Hamburg. Zu denen gleich mehr, denn hier läuft die Zulassung komplett anders.
Hat der Modellstudiengang einen eigenen NC?
Einen bundesweiten "Modellstudiengang-NC" gibt es nicht, genauso wenig, wie es einen einheitlichen NC für Medizin insgesamt gibt. Wie unser Beitrag zur Berechnung des Numerus Clausus zeigt, entsteht jeder Grenzwert erst nach dem Vergabeverfahren, pro Universität und pro Quote.
Für Modellstudiengänge heißt das konkret: An Standorten, die ausschließlich einen Modellstudiengang anbieten, etwa Aachen oder Hannover, die ihren Regelstudiengang komplett abgelöst haben, ist der veröffentlichte Grenzwert automatisch der "Modellstudiengang-Grenzwert" dieses Standorts. Es gibt dort schlicht keinen parallelen Regelstudiengang mehr, gegen den man ihn vergleichen könnte. An Universitäten, die formal beide Varianten führen oder deren Modellstudiengang als eigener Studienort geführt wird (wie MEDiC in Chemnitz neben dem Dresdner Hauptstudiengang), bildet jeder Studienort einen eigenen Grenzwert, analog zum Prinzip, dass jede Hochschule ihre eigene Rangliste führt.
Ob ein Modellstudiengang-Standort tendenziell einen höheren oder niedrigeren Grenzwert hat als ein vergleichbarer Regelstudiengang-Standort, lässt sich pauschal nicht beantworten, das hängt von Bewerberzahlen, Kapazität und der individuellen AdH-Gewichtung der jeweiligen Uni ab, nicht vom Studiengangsmodell selbst. Wer mehrere Standorte vergleichen will, sollte sie einzeln über den NC-Rechner simulieren, statt sich auf eine Faustregel zu verlassen.
Zur Einordnung, wie eng es 2024/25 bundesweit tatsächlich wurde: Laut CHE DatenCHECK kamen zum Wintersemester 2024/25 rund 32.966 Bewerbungen auf 10.219 angebotene Medizin-Studienplätze, ganz unabhängig davon, ob der jeweilige Studienort einen Modell- oder Regelstudiengang führte.
Sind private Modellstudiengänge NC-frei?
Ja, aber "NC-frei" heißt nicht "ohne Auswahl". Private Hochschulen wie die Universität Witten/Herdecke nehmen nicht am zentralen hochschulstart-Verfahren teil. Es gibt dort also keinen Rang- oder Grenzwert im klassischen Sinn. Stattdessen wählt die Hochschule ihre Studierenden über ein eigenes Verfahren aus, meist mit Aufnahmegesprächen, Auswahltagen oder eigenen Eignungstests, ergänzt um ein Motivationsschreiben. Dasselbe Prinzip gilt für die Paracelsus Medizinische Universität am Standort Nürnberg, die Kassel School of Medicine und die Asklepios Medical School Hamburg.
Der Preis dafür sind reguläre Studiengebühren, die je nach Hochschule und Studiendauer deutlich ins Gewicht fallen. Wer also NC-Sorgen mit einem privaten Modellstudiengang umgehen will, tauscht die Rangliste gegen ein Auswahlgespräch und die Finanzierungsfrage ein, nicht gegen ein einfacheres Verfahren. Wie sich zulassungsfreie und alternative Wege insgesamt einordnen lassen, zeigt unser Beitrag zum Medizinstudium ohne NC.
Wie findest du heraus, ob dein Wunschort ein Modellstudiengang ist?
So gehst du systematisch vor, bevor du deine Ortspräferenzen festlegst:
- Studiengangsbezeichnung prüfen: Suche auf der Website der Hochschule gezielt nach "Modellstudiengang" oder "Regelstudiengang Staatsexamen", die offizielle Studiengangsbeschreibung nennt das meist im ersten Absatz.
- hochschulstart-Studiengangsinfo lesen: Im Bewerbungsportal von hochschulstart sind Studienort und Studiengangsvariante getrennt gelistet, Modellstudiengang-Standorte wie Chemnitz erscheinen dort als eigener Studienort.
- Prüfungsstruktur vergleichen: Ein Physikum nach dem vierten Semester spricht für einen Regelstudiengang, eine Basis- oder Äquivalenzprüfung zu anderen Zeitpunkten für einen Modellstudiengang.
- Ortspräferenzen strategisch setzen: Trage Modellstudiengang- und Regelstudiengang-Standorte parallel in deine Präferenzliste ein, die Studiengangsvariante allein sollte kein Ausschlusskriterium sein. Details dazu in unserem Beitrag zur [Ortspräferenzen-Strategie](/ratgeber/bewerbung/ortspraeferenzen-strategie/).
- Historische Grenzwerte je Standort simulieren: Nutze den NC-Rechner für jeden infrage kommenden Studienort einzeln, statt einen pauschalen "Modellstudiengang-NC" anzunehmen.
- Mehrgleisig bewerben: Kombiniere mehrere Standorte, Modell- und Regelstudiengänge, in einer Bewerbung, um deine Chancen über das gesamte Verfahren zu streuen. Wie das geht, erklärt die [Mehrgleisig-bewerben-Strategie](/ratgeber/bewerbung/mehrgleisig-bewerben-strategie/).
Modellstudiengang oder Regelstudiengang, was passt zu dir?
Für deine Zulassungschancen ist die Antwort meist zweitrangig: Beide Wege laufen (an öffentlichen Hochschulen) über dieselben Quoten und führen zum selben Abschluss. Für dein Lernverhalten ist der Unterschied dagegen spürbar. Wer früh praktisch arbeiten, in Themenblöcken statt Einzelfächern denken und mit häufigeren, kleineren Prüfungen leben möchte, ist im Modellstudiengang oft gut aufgehoben. Wer lieber erst ein solides theoretisches Fundament legt und mit der klassischen Physikum-Struktur plant, findet im Regelstudiengang die vertrautere Variante.
Eine ausführliche Gegenüberstellung von Vor- und Nachteilen beider Studienformen findest du im Vergleich von Modell- und Regelstudiengang im futuredoctor-Netzwerk.
Quellen
- DocCheck Flexikon: "Modellstudiengang" (Rechtsgrundlage §41 ÄApprO, Einführungsjahre und Besonderheiten einzelner Universitäten; abgerufen 13. August 2026): flexikon.doccheck.com/de/Modellstudiengang
- praktischArzt: "Modellstudiengang Medizin: Aufbau, Vorteile und alle Unis auf einen Blick" (Liste der zwölf öffentlichen Universitäten, Stand 14.10.2025; abgerufen 13. August 2026): praktischarzt.de/medizinstudium/modellstudiengang-medizin
- TU Dresden / Klinikum Chemnitz: Modellstudiengang Humanmedizin MEDiC (Start Wintersemester 2021/22, eigener Studienort Medizincampus Chemnitz; abgerufen 13. August 2026): tu-dresden.de/med/mf/studium/studienangebot/modellstudiengang-humanmedizin-staatsexamen
- Stiftung für Hochschulzulassung (hochschulstart.de): Verfahrensdetails zur Quotenaufteilung (ABQ/AdH/ZEQ) im zentralen Vergabeverfahren Medizin (abgerufen 13. August 2026): hochschulstart.de/informieren-planen/verfahrensdetails
- CHE Centrum für Hochschulentwicklung: DatenCHECK "Medizinstudiengänge in den deutschen Bundesländern" (Bewerbungen und Studienplätze Wintersemester 2024/25; abgerufen 13. August 2026): hochschuldaten.che.de/medizinstudienplaetze-in-den-deutschen-bundeslaendern
- future-doctor.de: "Modell- oder Regelstudiengang Medizin? Vergleich" (Vor- und Nachteile beider Studienformen; abgerufen 13. August 2026): future-doctor.de/modell-oder-regelstudiengang-medizin
FAQ
Häufige Fragen
Pauschal nicht. Der Grenzwert hängt von Bewerberzahlen, Kapazität und AdH-Gewichtung der einzelnen Universität ab, nicht davon, ob sie einen Modell- oder Regelstudiengang führt. Beide laufen über dieselben drei Quoten.
Grundsätzlich ja, aber schwieriger als zwischen zwei Regelstudiengängen. Weil sich Lerninhalte und Prüfungsstruktur teils deutlich unterscheiden, werden bereits erbrachte Leistungen nicht automatisch anerkannt, ein Wechsel kann Zeitverlust bedeuten.
Nein. Ob TMS oder andere AdH-Kriterien zählen, entscheidet die jeweilige Hochschule unabhängig vom Studiengangsmodell. Es gibt keinen eigenen "Modellstudiengang-Test".
An öffentlichen Universitäten nein, dort gilt das reguläre hochschulstart-Verfahren mit Rangliste. NC-frei sind nur private Modellstudiengänge wie Witten/Herdecke, die ein eigenes Auswahlverfahren und Studiengebühren haben.
Häufig ja, es wird durch andere Prüfungsformate ersetzt, etwa eine Ärztliche Basisprüfung oder mehrere kleinere Prüfungen. An manchen Standorten, etwa Köln, bleiben Physikum-ähnliche Prüfungen aber weitgehend erhalten.
Nein. Du trägst jeden Studienort, ob Modell- oder Regelstudiengang, ganz normal in deine Präferenzliste ein. Die Studiengangsvariante ist kein eigenes Auswahlkriterium im Verfahren.



