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ÖGD-Quote: Medizinstudium im Öffentlichen Gesundheitsdienst
Zulassungs-Guide

ÖGD-Quote: Medizinstudium im Öffentlichen Gesundheitsdienst

Aktualisiert: 11 Min. Lesezeit

Auf den Punkt

ÖGD-Quote: Fünf Bundesländer vergeben Medizinstudienplätze an Bewerbende, die später in den Gesundheitsdienst gehen. Plätze, Fristen, Auswahl und Pflichten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Fünf Länder, rund 48 Plätze im Gesundheitsdienst pro Jahr: Hessen 15, Bayern 14, Baden-Württemberg 10, Sachsen-Anhalt rund 5 und Rheinland-Pfalz 4. Zusammengerechnet aus den Angaben der zuständigen Landesstellen, Stand 23.09.2026.
  • Die Abiturnote verliert ihr Gewicht: In Sachsen-Anhalt zählt sie nur 10 Prozent, der Studierfähigkeitstest 50 Prozent und eine Berufsausbildung oder Berufstätigkeit 40 Prozent (Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt).
  • Baden-Württemberg ist gerade erst gestartet: Die ÖGD-Quote gilt dort erstmals zum Wintersemester 2026/27, zunächst befristet auf fünf Jahre, mit bis zu zehn Plätzen jährlich (Sozialministerium Baden-Württemberg).
  • Die Bewerbung läuft nicht über hochschulstart: Du bewirbst dich bei der Landesstelle, meist im Februar, März oder April, ein Jahr vor dem Studienstart.
  • Zehn Jahre Verpflichtung nach der Facharztweiterbildung sind der Preis. Rheinland-Pfalz beziffert die Vertragsstrafe bei Nichterfüllung mit bis zu 250.000 Euro.
  • Ein Test hilft fast überall: Bayern und Sachsen-Anhalt rechnen ein Testergebnis in die Punktzahl ein. Wer 2027 antreten will, braucht rechtzeitig ein gültiges Resultat.

Fünf Bundesländer vergeben Medizinstudienplätze an Menschen, die sich verpflichten, später im Öffentlichen Gesundheitsdienst zu arbeiten: Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt (Stiftung für Hochschulzulassung, Landarzt- und ÖGD-Quote, abgerufen am 23.09.2026). Diese ÖGD-Quote ist eine Vorabquote. Sie läuft neben dem normalen NC-Verfahren, und deine Abiturnote zählt darin viel weniger als ein Testergebnis oder eine Ausbildung im Gesundheitswesen.

Von MUDr. Andreas Zehetner, der auf ncrechner.de die Zulassungsregeln für Human-, Zahn-, Tier- und Veterinärmedizin auswertet.

Was ist die ÖGD-Quote im Öffentlichen Gesundheitsdienst?

Die ÖGD-Quote ist eine Vorabquote für Medizinstudienplätze, die ein Bundesland an Bewerbende vergibt, die sich vertraglich verpflichten, nach Studium und Facharztweiterbildung mindestens zehn Jahre im Öffentlichen Gesundheitsdienst dieses Landes zu arbeiten. Sie wird vor den drei Hauptquoten abgezogen und funktioniert nach eigenen Regeln.

Vorabquoten insgesamt dürfen bis zu 20 Prozent der Studienplätze binden, erst der Rest geht in die Abiturbestenquote, die Zusätzliche Eignungsquote und das Auswahlverfahren der Hochschulen (Stiftung für Hochschulzulassung, Quotenmodell des ZV). Die ÖGD-Quote ist die kleine Schwester der bekannteren Landarztquote. Gleiche Idee, anderes Berufsziel: nicht Hausärztin auf dem Land, sondern Ärztin im Gesundheitsamt.

In Sachsen-Anhalt heißt dieselbe Sache Amtsarztquote. Lass dich von dem Namen nicht verwirren, gemeint ist derselbe Weg.

Welche Bundesländer vergeben Plätze über den Gesundheitsdienst?

Fünf von sechzehn. Bei der Landarztquote sind es elf Länder, beim Gesundheitsdienst nur Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt. Wohnort und Abiturland spielen dabei keine Rolle, entscheidend ist, wo du dich bewirbst und wo du später arbeiten willst.

Bundesland ÖGD-Plätze pro Jahr Bewerbungszeitraum (Zyklus 2026) Zuständige Stelle
Hessen 15 (1,3 Prozent der Plätze) 1. bis 28. Februar 2026 Hessisches Landesamt für Gesundheit und Pflege
Bayern 14 (bis zu 1,8 Prozent) 1. bis 28. Februar 2026 Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
Baden-Württemberg bis zu 10 1. bis 30. April 2026 Regierungspräsidium Stuttgart
Sachsen-Anhalt rund 5 (1,5 Prozent) bei der KV Sachsen-Anhalt erfragen Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt
Rheinland-Pfalz 4 (von 25 Quotenplätzen) 1. bis 31. März 2026 Land Rheinland-Pfalz, Antrag über die Stiftung für Hochschulzulassung

Die Zeiträume aus dem Zyklus 2026 galten für das Wintersemester 2026/27. Für den Studienstart 2027 haben die Länder ihre Fenster bis zum 23.09.2026 noch nicht überall neu veröffentlicht. Rechne deshalb mit denselben Monaten, prüfe das Datum aber vor der Bewerbung auf der Seite deiner Landesstelle. Jede Landesstelle betreut nur ihren eigenen Gesundheitsdienst und beantwortet auch nur Fragen dazu.

Wie viele Studienplätze hängen wirklich an dieser Quote?

Rund 48 pro Jahr, verteilt auf fünf Länder. Das ist wenig gemessen an den 17.298 Zulassungen, die das Zentrale Verfahren zum Wintersemester 2025/26 ausgesprochen hat (Stiftung für Hochschulzulassung, Kennzahlen im DoSV). Klein heißt aber nicht chancenlos, denn die Konkurrenz in diesem Topf ist eine völlig andere.

Medizinstudienplätze der ÖGD-Quote pro Jahr nach Bundesland Waagerechte Balken auf einer Skala von 0 bis 16 Plätzen. Hessen 15 Plätze, Bayern 14 Plätze, Baden-Württemberg 10 Plätze, Sachsen-Anhalt rund 5 Plätze, Rheinland-Pfalz 4 Plätze. Zusammen rund 48 Plätze pro Jahr. ÖGD-Quote: Studienplätze pro Jahr und Bundesland Skala 0 bis 16 Plätze. Summe der fünf Länder: rund 48 Plätze pro Jahr Hessen 15 Bayern 14 Baden-Württemberg 10 Sachsen-Anhalt rund 5 Rheinland-Pfalz 4 0 4 8 12 16 Angaben der zuständigen Landesstellen, Stand 23.09.2026
Quellen: Hessisches Landesamt für Gesundheit und Pflege (15 Plätze, 1,3 Prozent), landarztquote.bayern.de (14 Plätze, bis zu 1,8 Prozent), Sozialministerium Baden-Württemberg (bis zu 10 Plätze), Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (rund 5 Plätze, 1,5 Prozent), Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz (4 Plätze). Alle abgerufen am 23.09.2026.

Ein Blick auf das Nachbarverfahren zeigt die Größenordnung: Bei der Landarztquote in Baden-Württemberg gingen im Zyklus 2026 genau 290 Bewerbungen auf 75 Studienplätze ein, und rund 150 Bewerbende kamen ins persönliche Gespräch (Regierungspräsidium Stuttgart, Pressemitteilung vom 22.04.2026). Beim ÖGD-Verfahren lud dieselbe Behörde etwa 20 Kandidatinnen und Kandidaten zum Gespräch. Das ist ein anderes Bezugsfeld als 37.836 Bewerbende im Zentralen Verfahren.

Wie läuft die Auswahl ab, wenn die Abiturnote kaum zählt?

Über Punkte und Gespräche statt über eine Note. Sachsen-Anhalt macht die Gewichtung öffentlich: Die Abiturnote geht mit 10 Prozent ein, das Ergebnis des Studierfähigkeitstests mit 50 Prozent und eine Berufsausbildung oder Berufstätigkeit im Gesundheitswesen mit 40 Prozent. Maximal sind 100 Punkte erreichbar.

Gewichtung der Auswahlkriterien in der Amtsarztquote Sachsen-Anhalt Drei waagerechte Balken auf einer Skala von 0 bis 60 Prozent. Studierfähigkeitstest 50 Prozent, Berufsausbildung oder Berufstätigkeit 40 Prozent, Abiturnote 10 Prozent. Was zählt bei der Amtsarztquote Sachsen-Anhalt? Anteil an der Gesamtpunktzahl, Skala 0 bis 60 Prozent Studierfähigkeitstest 50 % Ausbildung oder Beruf 40 % Abiturnote 10 % 0 % 20 % 40 % 60 % Quelle: Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt, abgerufen am 23.09.2026
Gewichtung der Auswahlkriterien in der Amtsarztquote Sachsen-Anhalt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (abgerufen am 23.09.2026). Maximal erreichbar sind 100 Punkte.

Bayern arbeitet zweistufig. In der ersten Stufe sammelst du Punkte für das Ergebnis im Test für medizinische Studiengänge, für eine abgeschlossene Ausbildung im Gesundheitswesen, für einen Freiwilligendienst (ein Jahr FSJ oder BFD bringt 10 Punkte, maximal sind 20 möglich) und für ehrenamtliches Engagement (zwei Jahre bringen bis zu 20 Punkte). In der zweiten Stufe folgen vier Mini-Interviews à fünf Minuten und ein Einzelgespräch über zehn Minuten. Beide Ranglisten fließen je zur Hälfte in die Endrangliste ein (landarztquote.bayern.de, abgerufen am 23.09.2026).

Baden-Württemberg formuliert es kürzer und deutlicher: Ausgewählt wird dort unabhängig von der Abiturnote, entscheidend sind persönliche Eignung und Motivation für eine ärztliche Tätigkeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst (Sozialministerium Baden-Württemberg).

Dozentin unterrichtet Studierende in einem Seminarraum, im Hintergrund ein anatomisches Skelett

Was machst du später im Öffentlichen Gesundheitsdienst?

Du arbeitest nicht in der Klinik, sondern in einer Einrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, in der Regel im Gesundheitsamt deines Landkreises oder deiner Stadt. Das Studium selbst ist dasselbe wie bei allen anderen, inklusive Staatsexamen und Facharztweiterbildung. Erst danach greift die Verpflichtung.

Typische Felder sind der Infektionsschutz, der Kinder- und Jugendgesundheitsdienst mit den Schuleingangsuntersuchungen, amtsärztliche Begutachtungen, Hygieneüberwachung und Gesundheitsförderung. Wer Schichtdienst und Nachtdienste scheut, aber Bevölkerungsmedizin spannend findet, ist im Gesundheitsdienst richtiger aufgehoben als in der Notaufnahme. Wer unbedingt operieren will, eher nicht.

Ehrlich bleiben lohnt sich an dieser Stelle. Die Länder führen Gespräche genau deshalb, und eine auswendig gelernte Motivation fällt in vier Mini-Interviews schnell auf.

Was bedeuten zehn Jahre Verpflichtung im Gesundheitsdienst?

Die Zahl klingt abstrakt, also rechne sie einmal durch. Sechs Jahre Studium, danach mehrere Jahre Facharztweiterbildung, und erst dann beginnen die zehn Jahre im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Realistisch bist du also für den Großteil deines Berufslebens bis Anfang vierzig auf den Gesundheitsdienst eines Bundeslandes festgelegt.

Bricht jemand die Verpflichtung, wird es teuer. Rheinland-Pfalz nennt in seiner Information zur Landarzt-, Landkinderarzt- und ÖGD-Quote eine Vertragsstrafe von bis zu 250.000 Euro. Andere Länder arbeiten mit vergleichbaren Beträgen, die konkrete Summe steht immer im jeweiligen Landesgesetz und im Vertrag, den du unterschreibst. Lies ihn, bevor du ihn unterschreibst, und lass dir Ausnahmeregelungen für Krankheit oder Familienzeiten zeigen.

So bewirbst du dich Schritt für Schritt

  1. Bundesland auswählen. Nur Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt bieten eine Quote für den Gesundheitsdienst an. Entscheide dich früh, denn du bindest dich für zehn Jahre an den Gesundheitsdienst dieses Landes.
  2. Frist prüfen. Die Fenster liegen im Februar (Bayern, Hessen), März (Rheinland-Pfalz) und April (Baden-Württemberg). Sie beziehen sich auf den Studienstart im Oktober des gleichen Jahres.
  3. Testergebnis besorgen. Wo ein Studierfähigkeitstest in die Punkte eingeht, brauchst du das Resultat rechtzeitig vor der Bewerbung. Plane den Testtermin ein Jahr im Voraus ein.
  4. Nachweise sammeln. Ausbildungszeugnisse, Arbeitszeugnisse, Nachweise über Freiwilligendienst und Ehrenamt. Diese Unterlagen bringen in den Punktesystemen mehr als jede Zehntelnote.
  5. Antrag bei der Landesstelle einreichen. Die Bewerbung läuft über die zuständige Behörde oder Kassenärztliche Vereinigung, nicht über das normale hochschulstart-Portal.
  6. Auswahlgespräch vorbereiten. Rechne mit strukturierten Kurzinterviews. Überlege dir konkrete Beispiele, warum Bevölkerungsmedizin dich interessiert.
  7. Parallel normal bewerben. Eine Bewerbung über die Quote schließt die reguläre Bewerbung im Zentralen Verfahren nicht aus. Nutze beide Wege und rechne deine Chancen vorher mit dem NC-Rechner durch.

Lohnt sich die ÖGD-Quote für dich?

Wenn dein Abitur zwischen 2,0 und 2,9 liegt und du eine Ausbildung im Gesundheitswesen oder einen Freiwilligendienst vorweisen kannst, ist das einer der realistischsten Wege in ein Medizinstudium in Deutschland. Im Zentralen Verfahren wäre so ein Profil chancenlos gegen Bewerbende mit 1,0. In der Quote für den Gesundheitsdienst ist es ein starkes Profil.

Wenn du dagegen noch keine Ahnung hast, welche Fachrichtung dich reizt, ist die Quote riskant. Zehn Jahre Bindung an ein Tätigkeitsfeld, das viele Studierende erst im Praktischen Jahr kennenlernen, ist eine große Wette auf dein Ich mit fünfzehn Jahren Berufserfahrung. Es gibt Alternativen ohne Bindung: die Zusätzliche Eignungsquote, das Auswahlverfahren der Hochschulen mit starkem Testergebnis oder ein Weg über Medizin ohne NC.

Eine Zahl hilft bei der Entscheidung: Baden-Württemberg hat die ÖGD-Quote zunächst auf fünf Jahre befristet, bis zum Wintersemester 2030/31. Wer jetzt einsteigt, nutzt ein Fenster, das später wieder zugehen kann.

Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, der die Quotenregelungen der Länder jedes Semester gegen die Veröffentlichungen der Landesbehörden und der Stiftung für Hochschulzulassung abgleicht.

Quellen

FAQ

Häufige Fragen

Nein, nicht direkt. Die Auswahl treffen die Landesstellen, also zum Beispiel das Regierungspräsidium Stuttgart, das Hessische Landesamt für Gesundheit und Pflege oder die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt. Die Zulassung selbst erteilt anschließend die Stiftung für Hochschulzulassung. Dein Antrag geht also zuerst an die Landesbehörde.

In Bayern und Sachsen-Anhalt ja, dort geht ein Studierfähigkeitstest fest in die Punktzahl ein, in Sachsen-Anhalt sogar mit 50 Prozent Gewicht. In Baden-Württemberg steht die persönliche Eignung im Vordergrund. Prüfe die Anforderung immer beim Land, in dem du dich bewirbst, denn jedes Land regelt das selbst.

Rund 48 pro Jahr in ganz Deutschland: Hessen 15, Bayern 14, Baden-Württemberg bis zu 10, Sachsen-Anhalt rund 5 und Rheinland-Pfalz 4. Das entspricht je nach Land zwischen 1,3 und 1,8 Prozent der Medizinstudienplätze. Die Zahlen stammen von den zuständigen Landesstellen, Stand 23. September 2026.

Dann wird eine Vertragsstrafe fällig. Rheinland-Pfalz nennt bis zu 250.000 Euro. Die genaue Höhe und die Ausnahmen, etwa bei schwerer Krankheit, stehen im Landesgesetz und in deinem Vertrag. Lass dir diese Klauseln vor der Unterschrift zeigen und rechne sie in deine Entscheidung ein.

Ja. Sachsen-Anhalt nennt seine Quote Amtsarztquote, andere Länder sprechen von der ÖGD-Quote oder der Quote für den Öffentlichen Gesundheitsdienst. Gemeint ist immer dieselbe Konstruktion: Studienplatz gegen Verpflichtung zur späteren ärztlichen Tätigkeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst des jeweiligen Landes.

Das hängt vom Land ab. Mehrere Länder wickeln beide Quoten im selben Verfahren ab und lassen eine Priorisierung zu, andere trennen die Bewerbungen. Frag vor dem Absenden bei der Landesstelle nach, ob eine Doppelbewerbung zulässig ist, und halte dich an deren Vorgabe, sonst riskierst du beide Anträge.

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MUDr. Andreas ZehetnerGeschrieben vonMUDr. Andreas Zehetner