Im Wintersemester 2025/26 kamen in der Humanmedizin rechnerisch 3,0 Bewerber pro Studienplatz, genauer gesagt auf eine Studienanfängerin oder einen Studienanfänger im 1. Fachsemester. In der Zahnmedizin waren es 7,1, in der Tiermedizin 4,5 und in der Pharmazie 3,0. Das sind die amtlichen Werte des Statistischen Bundesamtes mit Datenstand 13. August 2026. Klingt niedriger als erwartet? Ist es auch. Die Zahl beschreibt einen bundesweiten Durchschnitt und nicht deine Chance an einer bestimmten Universität.
Was bedeutet "Bewerber pro Studienplatz" eigentlich?
Die Kennzahl Bewerber pro Studienplatz ist das Verhältnis aus der Zahl der Bewerbungen für ein Fach und der Zahl der Personen, die in diesem Fach tatsächlich anfangen. Sie sagt dir, wie stark ein Fach nachgefragt wird. Sie sagt dir nicht, ob du genommen wirst.
Der Grund ist die Auswahllogik. In Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie werden die Plätze bundesweit über die Stiftung für Hochschulzulassung vergeben, aufgeteilt in Vorabquoten, Abiturbestenquote (ABQ), Zusätzliche Eignungsquote (ZEQ) und das Auswahlverfahren der Hochschulen (AdH). Kurz erklärt: Eine Quote ist ein fester Anteil der Plätze, der nach eigenen Regeln vergeben wird. Der NC (Numerus clausus) ist keine Vorgabe, sondern das Ergebnis, der Wert der zuletzt zugelassenen Person in einer Quote an einer Uni. Wie dieses System aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Studienplatzvergabe Medizin Schritt für Schritt.
Weil jede Quote an jeder Uni ihre eigene Rangliste hat, kann deine persönliche Chance weit über oder weit unter dem Durchschnitt liegen. Die Zahl der Bewerber pro Studienplatz ist deshalb ein Stimmungsbild, kein Rechenweg.
Wie viele Bewerber pro Studienplatz gab es im Wintersemester 2025/26?
Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die Zahlen für die vier bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengänge in einer eigenen Tabelle. Die Bewerberzahlen stammen von der Stiftung für Hochschulzulassung, die Studienanfängerzahlen aus der Hochschulstatistik. Erfasst sind öffentliche Universitäten in Trägerschaft der Länder, ohne die Fernuniversität Hagen.
| Studienfach | Bewerbende WS 2025/26 | Studienanfänger 1. FS | Bewerber pro Studienplatz |
|---|---|---|---|
| Humanmedizin | 31.543 | 10.352 | 3,0 |
| Zahnmedizin | 10.881 | 1.542 | 7,1 |
| Tiermedizin | 5.216 | 1.159 | 4,5 |
| Pharmazie | 5.640 | 1.853 | 3,0 |
Zwei Dinge fallen sofort auf. Erstens: Die Humanmedizin, über die am meisten geredet wird, hat rechnerisch den mildesten Wert im Feld. Zweitens: Die Zahnmedizin ist mit 7,1 Bewerbenden pro Studienplatz deutlich enger, obwohl sie in der öffentlichen Wahrnehmung als "die leichtere Variante" gilt.
Warum ist der Wert in der Zahnmedizin mehr als doppelt so hoch?
Weil die Zahl der Plätze klein ist. Im Wintersemester 2025/26 begannen bundesweit 1.542 Personen ein Zahnmedizinstudium, rund ein Siebtel der 10.352 Anfängerinnen und Anfänger in der Humanmedizin. Die Bewerberzahl liegt mit 10.881 aber bei mehr als einem Drittel des Medizin-Werts. Ein kleiner Nenner treibt die Quote nach oben, auch ohne Ansturm.
Dasselbe gilt für die Tiermedizin: 1.159 Studienanfänger, 5.216 Bewerbende, Verhältnis 4,5. Die Tiermedizin wird zudem nur zum Wintersemester angeboten, in der Destatis-Tabelle steht in allen Sommersemester-Spalten ein Strich. Wer sich für Tiermedizin interessiert, hat also pro Jahr genau einen Versuch im zentralen Verfahren.

Wie hat sich die Zahl der Bewerber pro Studienplatz seit 2021 entwickelt?
Sie ist gefallen, und zwar deutlich. In der Humanmedizin lag der Wert im Wintersemester 2021/22 noch bei 3,8 Bewerbenden je Studienanfänger. Fünf Jahre später sind es 3,0. Dahinter stecken zwei Bewegungen: Die Bewerberzahl sank von 38.541 auf 31.543, das sind rund 18 Prozent weniger. Gleichzeitig stieg die Zahl der Studienanfänger leicht von 10.056 auf 10.352, also um knapp 3 Prozent.
Wichtig ist, was daraus nicht folgt. Weniger Bewerber pro Studienplatz heißt nicht automatisch ein besserer NC. Die Auswahlgrenzen entstehen pro Uni und pro Quote aus der Rangliste der Bewerbenden, die sich dort beworben haben, und die Spitzengruppe mit 1,0 im Abitur oder starkem Testergebnis wird nicht kleiner, nur weil insgesamt weniger Menschen einen Antrag stellen. Wie dieser Mechanismus funktioniert, zeigt der Beitrag So entsteht der Numerus Clausus.
Vier Zahlen, die ständig verwechselt werden
Wenn dir im Netz vier verschiedene Angaben zur "Konkurrenz im Medizinstudium" begegnen, liegt das meist nicht an Fehlern, sondern an vier unterschiedlichen Messgrößen. Diese Tabelle sortiert sie.
| Größe | Was gezählt wird | Wert WS 2025/26 | Quelle |
|---|---|---|---|
| Bewerbende je Studienfach | Anträge in einem Fach, Mehrfachbewerbung an mehreren Hochschulen einmal gezählt | 31.543 (Humanmedizin) | Statistisches Bundesamt |
| Bewerbende im Zentralen Verfahren | Personen, die sich für eines der vier ZV-Fächer beworben haben | 37.836 | hochschulstart |
| Eingegangene Bewerbungen im ZV | einzelne Studienwünsche, mehrere pro Person möglich | 976.998 | hochschulstart |
| Zulassungen im ZV (inkl. Rückstellungen) | ausgesprochene Zulassungen über alle vier Fächer | 17.298 | hochschulstart |
Beide Statistiken sind korrekt. Sie zählen nur nicht dasselbe, haben unterschiedliche Stichtage und unterschiedliche Definitionen, rechne sie deshalb nicht gegeneinander auf. Die hochschulstart-Werte beziehen sich auf den Datenstand "Ende Koordiniertes Nachrücken, Verfahrensabschluss" und fassen Humanmedizin, Zahnmedizin, Tiermedizin und Pharmazie zusammen. Das Statistische Bundesamt weist jedes Fach einzeln aus.
Besonders aufschlussreich ist die dritte Zeile: Fast eine Million eingegangene Bewerbungen bei 37.836 Bewerbenden bedeutet im Schnitt gut 25 Studienwünsche pro Person. Genau deshalb ist jede Aussage der Form "X Bewerber pro Studienplatz" mit Vorsicht zu genießen, die meisten dieser "Bewerber" sind dieselben Menschen, die überall gleichzeitig auf der Liste stehen.
Warum sagt die Kennzahl wenig über deine persönliche Chance?
Weil dein Antrag nicht gegen den Bundesdurchschnitt läuft, sondern gegen eine konkrete Rangliste. Drei Filter stehen zwischen der Statistik und deinem Bescheid:
- Die Quote. Vor der Hauptverteilung gehen Vorabquoten ab (Härtefälle, Landarztquoten, ÖGD-Quote, Zweitstudium, Dienste). Danach werden die verbleibenden Plätze auf ABQ, ZEQ und AdH verteilt. In jeder Quote gelten andere Kriterien.
- Die Uni. Jede Hochschule setzt im AdH ihre eigene Mischung aus Abiturnote, Testergebnis und weiteren Kriterien fest. Zwei Unis mit identischer Bewerberzahl können völlig verschiedene Grenzwerte haben.
- Das Bundesland. In der Abiturbestenquote werden die Ranglisten nach Ländern gebildet. Dieselbe Note kann in einem Land reichen und im nächsten nicht.
Wie diese drei Quoten im Rechner zusammenspielen, erklärt der Beitrag ABQ, AdH und ZEQ im Rechner.
Wie ordnest du die Zahlen für dich selbst ein?
In sechs Schritten kommst du von der Statistik zu einer belastbaren Einschätzung:
- Fach festlegen. Notiere den Ausgangswert deines Fachs: 3,0 in der Humanmedizin, 7,1 in der Zahnmedizin, 4,5 in der Tiermedizin, 3,0 in der Pharmazie (WS 2025/26).
- Semester prüfen. Tiermedizin gibt es nur zum Wintersemester. Für Humanmedizin, Zahnmedizin und Pharmazie liefen im Sommersemester 2026 laut Destatis 11.093, 4.766 und 1.789 Bewerbungen ein, deutlich weniger als im Wintersemester, bei ebenfalls deutlich weniger Plätzen.
- Quote bestimmen. Kläre, in welchen Quoten du überhaupt antrittst: ABQ über die Note, ZEQ über Test und Dienste, AdH über die Mischung deiner Wunsch-Uni.
- Grenzwerte nachschlagen. Ziehe die veröffentlichten Auswahlgrenzen deiner Wunschstandorte heran, nicht den Bundesdurchschnitt.
- Mehrgleisig planen. Rechne durch, wie sich ein Testergebnis oder eine abgeschlossene Ausbildung auf deinen Punktwert auswirkt.
- Zahl nicht überinterpretieren. Die Kennzahl Bewerber pro Studienplatz gehört in den Kontext, nicht in die Entscheidung.
Was gilt im laufenden Verfahren bis zum 30. September 2026?
Für das Wintersemester 2026/27 ist noch nichts entschieden. Nach dem Ende der Koordinierungsphase am 24. August 2026 läuft seit dem 25. August das Koordinierte Nachrücken, das Verfahren, in dem freigewordene Plätze weitergegeben werden. Diese Termine hat hochschulstart für die vier zentral vergebenen Fächer veröffentlicht:
| Datum 2026 | Was passiert |
|---|---|
| 24.08. | Ende der Koordinierungsphase |
| 25.08. | Beginn des Koordinierten Nachrückens |
| 25. bis 27.08. | Anmeldephase für das Koordinierte Nachrücken |
| 31.08. bis 24.09. | Zulassungsbescheide montags und donnerstags nachmittags |
| 30.09. | Ende des Koordinierten Nachrückens |
| 01.10. | letztmalige Bereitstellung von Zulassungsbescheiden |
Wer sich in der Anmeldephase nicht eingetragen hat, nimmt am Nachrücken nicht teil. Wie der Ablauf im Detail funktioniert, steht im Ratgeber Koordiniertes Nachrücken. Erst nach diesem Datum stehen die endgültigen Zahlen für das Wintersemester 2026/27 fest, und erst dann lässt sich sagen, wie viele Bewerber pro Studienplatz in diesem Jahrgang tatsächlich angetreten sind.
Was die Zahl über dich nicht aussagt
Eine Verhältniszahl ist ein Durchschnitt über zehntausende Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen. Sie kennt weder deine Note noch dein Bundesland, weder dein Testergebnis noch deine Ausbildung. Sie ist nützlich, um Fächer miteinander zu vergleichen und um zu sehen, wohin sich der Andrang bewegt. Für die Frage "komme ich rein?" brauchst du die Grenzwerte deiner Quoten, die Kennzahl Bewerber pro Studienplatz ist dafür zu grob.
Fachlich geprüft von MUDr. Andreas Zehetner, der amtliche Vergabestatistiken, Zulassungsregeln und Verfahrenstermine für ncrechner.de regelmäßig gegen die Originalquellen abgleicht. Verbindlich sind immer die Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes und der Stiftung für Hochschulzulassung.
Quellen
- Statistisches Bundesamt (Destatis): Tabelle "Studienanfänger/innen und Studienplatzbewerber/innen in bundesweit zulassungsbeschränkten Studiengängen" (Bewerberzahlen, Studienanfänger im 1. Fachsemester und Verhältniszahlen für Medizin, Zahnmedizin, Tiermedizin, Pharmazie; Zeitreihe ab Sommersemester 2021; Datenquelle Stiftung für Hochschulzulassung), Datenstand 13.08.2026, abgerufen am 01.09.2026: destatis.de, Studienanfänger und Studienplatzbewerber
- Stiftung für Hochschulzulassung: "Kennzahlen: Semesterübersichten" (Zentrales Verfahren Wintersemester 2025/26: 37.836 Bewerbende, 976.998 eingegangene Bewerbungen, 17.298 Zulassungen inklusive Rückstellungen, 44 Hochschulen, 97 Studienangebote; Datenstand Ende Koordiniertes Nachrücken), abgerufen am 01.09.2026: hochschulstart.de, Semesterübersichten
- Stiftung für Hochschulzulassung: "Termine und Fristen", Bewerbung Wintersemester 2026/27, Abschnitt Humanmedizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie (Ende der Koordinierungsphase 24.08.2026, Beginn des Koordinierten Nachrückens 25.08.2026, Anmeldephase 25. bis 27.08.2026, Bescheide vom 31.08. bis 24.09.2026 und letztmalig am 01.10.2026, Ende des Koordinierten Nachrückens 30.09.2026), abgerufen am 01.09.2026: hochschulstart.de: Termine und Fristen
FAQ
Häufige Fragen
Im Wintersemester 2025/26 waren es 3,0. Das Statistische Bundesamt zählt 31.543 Bewerberinnen und Bewerber und 10.352 Studienanfängerinnen und Studienanfänger im ersten Fachsemester. Der Wert gilt bundesweit für öffentliche Universitäten in Trägerschaft der Länder, ohne die Fernuniversität Hagen.
Nein. Die Kennzahl ist ein bundesweiter Durchschnitt über alle Quoten und alle Universitäten. Deine tatsächliche Chance hängt von der Quote ab, in der du antrittst, von der Auswahlmischung deiner Wunsch-Uni und in der Abiturbestenquote zusätzlich von deinem Bundesland.
Weil es viel weniger Plätze gibt. 1.542 Studienanfängern in der Zahnmedizin standen 10.881 Bewerbende gegenüber, das ergibt 7,1. In der Humanmedizin verteilen sich die 31.543 Bewerbungen auf 10.352 Anfängerplätze. Ein kleiner Nenner hebt die Quote deutlich an.
Nicht zwangsläufig. Auswahlgrenzen entstehen aus der Rangliste je Uni und Quote. Fallen vor allem Bewerbungen aus dem mittleren Notenbereich weg, ändert das die Spitze der Liste kaum. Zwischen dem Wintersemester 2021/22 und 2025/26 sank die Bewerberzahl um rund 18 Prozent.
Erst nach dem Verfahrensabschluss. Das Koordinierte Nachrücken endet am 30. September 2026, letzte Zulassungsbescheide stellt hochschulstart am 1. Oktober 2026 bereit. Die Kennzahlen erscheinen anschließend in den Semesterübersichten von hochschulstart und in der Tabelle des Statistischen Bundesamtes.




