Weitere Auswahltests sind alle Auswahlinstrumente jenseits von TMS und HAM-Nat, mit denen medizinische Fakultäten die Eignung von Bewerber:innen prüfen, von strukturierten Auswahlgesprächen bis zu länderspezifischen Aufnahmetests.
Wer sich auf TMS und HAM-Nat konzentriert, hat die wichtigsten Tests im Blick, aber nicht unbedingt alle. Je nach Standort und Weg können weitere Auswahlinstrumente ins Spiel kommen: eigene Tests, Auswahlgespräche oder länderspezifische Verfahren.
Dieser Überblick sortiert die weiteren Auswahltests nach Testformat, damit du für deine Ziel-Standorte keinen relevanten Baustein übersiehst.
Key Takeaways
- Neben TMS und HAM-Nat gibt es vier Testfamilien: fähigkeits-, wissens- und verhaltensbasierte Tests sowie praktische Eignungsprüfungen (z. B. manuelle Tests in der Zahnmedizin).
- Einige staatliche Standorte wie Dresden, Greifswald oder der MedizinCampus Niederbayern setzen zusätzlich auf strukturierte Auswahlgespräche; private Hochschulen bauen ihre Auswahl oft komplett darum.
- Für ein Auslandsstudium kommen eigene Aufnahmetests wie der österreichische MedAT oder Eingangsprüfungen in Mittel- und Osteuropa hinzu.
- Verlässlich ist nur der Blick in die Auswahlsatzung jeder einzelnen Wunsch-Uni, pauschale NC-Listen führen regelmäßig in die Irre.
- Der TMS bleibt für die meisten Bewerber die erste Priorität, weil er die meisten Standorte öffnet; weitere Tests lohnen nur gezielt für Standorte, die sie verlangen.
Weitere Auswahltests im Überblick
Grob lassen sich vier Typen unterscheiden: fähigkeitsbasierte Tests (wie der TMS), wissensbasierte Tests (wie der HAM-Nat), verhaltensbasierte Tests (Situational Judgement) und praktische Eignungsprüfungen (etwa manuelle Tests in der Zahnmedizin). Dazu kommen strukturierte Auswahlgespräche einzelner Fakultäten.
Für die Auslandsbewerbung existieren wiederum eigene Aufnahmetests, der österreichische MedAT etwa oder fachliche Eingangsprüfungen an Universitäten in Mittel- und Osteuropa. Wie gefragt solche Auslandsplätze sind, zeigen die Anmeldezahlen: Für den MedAT 2026 meldeten sich rund 16.880 Personen für insgesamt 1.950 Human- und Zahnmedizin-Studienplätze an den österreichischen medizinischen Universitäten an.
| Testtyp | Beispiel | Was geprüft wird |
|---|---|---|
| Fähigkeitstest | TMS | Kognitive Fähigkeiten |
| Wissenstest | HAM-Nat | Naturwissenschaftliches Fachwissen |
| Verhaltenstest | HAM-SJT | Soziale Urteilskompetenz |
| Praktische Prüfung | manuelle Eignung | Feinmotorik (Zahnmedizin) |
Auswahlgespräche und Interviews
Neben Tests setzen einige staatliche Standorte auf strukturierte Auswahlgespräche, etwa in Dresden, Greifswald oder am MedizinCampus Niederbayern. Private Hochschulen bauen ihre gesamte Auswahl häufig um persönliche Verfahren herum.
Diese Gespräche prüfen Motivation, Reflexionsfähigkeit und den Umgang mit ethischen Situationen. Sie sind eine Chance für Bewerber, deren Stärke jenseits der reinen Punktzahl liegt, und ein gutes Beispiel dafür, wie unterschiedlich weitere Auswahltests je Standort ausfallen können.
So behältst du den Überblick
Der einzige verlässliche Weg: Prüfe für jede Wunsch-Uni einzeln, welche Tests und Verfahren sie wertet, über ihre Auswahlsatzung und die Seiten der Testanbieter. Pauschale "Medizin-NC"-Listen führen hier regelmäßig in die Irre.
Die rechtliche Grundlage für die Hochschulzugangsberechtigung als solche legen die Bundesländer im Rahmen des Staatsvertrags über die Hochschulzulassung (KMK) fest, welche zusätzlichen Auswahltests darauf aufbauen, bestimmt danach jede Hochschule in ihrer eigenen Auswahlsatzung.
Ein Zulassungsrechner mit gepflegten Satzungsdaten nimmt dir diese Recherche ab: Er zeigt standortweise, welche Kriterien und Tests zählen, und gleicht dein Profil direkt damit ab.
Erst Standorte, dann Tests: Lege zuerst deine realistischen Ziel-Standorte fest und prüfe dann, welche Tests sie verlangen. So investierst du Vorbereitungszeit nur in Tests, die dir tatsächlich Plätze öffnen.
Welcher Test zuerst?
Für die meisten Bewerber bleibt der TMS die erste Wahl, weil er die meisten Standorte öffnet. Weitere Tests lohnen gezielt, wenn ein konkreter Wunschstandort sie verlangt, der HAM-Nat für Hamburg/Magdeburg, ein manueller Test für bestimmte Zahnmedizin-Standorte, der MedAT für Österreich.
Konkret heißt das:
- Ziel-Standorte klären und realistisch eingrenzen
- Testanforderungen der einzelnen Standorte über deren Auswahlsatzung sammeln
- Ergebnis nach Aufwand-Nutzen priorisieren, zuerst den Test vorbereiten, der die meisten Wunsch-Standorte öffnet
Alles andere ist verschwendete Vorbereitungszeit.
Über den Autor: MUDr. Andreas Zehetner ist Arzt und Mitgründer des futuredoctor-Netzwerks, zu dem auch ncrechner.de gehört.
Quellen
- future-doctor.de (futuredoctor GmbH): Infomaterial zum Medizinstudium im Ausland. https://www.future-doctor.de/futuredoctor-infopaket/
- ncrechner.de: "Ortspräferenzen strategisch setzen: Die unterschätzte Stellschraube deiner Bewerbung"
- ncrechner.de: "Situational Judgement Tests (SJT): Wenn Auswahl auf soziale Kompetenz setzt"
FAQ
Häufige Fragen
Für die große Mehrheit ja, aber nicht überall. Standorte wie Hamburg und Magdeburg setzen auf den HAM-Nat, einzelne Zahnmedizin-Standorte auf manuelle Tests. Prüfe deine Ziel-Unis einzeln.
Nur, wenn deine Wunsch-Standorte unterschiedliche Tests verlangen. Für regionale Flexibilität kann das sinnvoll sein, kostet aber doppelte Vorbereitungszeit.
Über die Auswahlsatzung jeder Hochschule und die Seiten der Testanbieter. Ein aktuell gepflegter Zulassungsrechner bündelt diese Angaben standortweise.
Das variiert je Standort und Quote. An Interview-Standorten können sie den Ausschlag geben, besonders in der ZEQ, wo die Abiturnote ohnehin nicht zählt.




